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Alfred E. Lüders – Ein Kreis schließt sich
Im Bootsbau gibt es Namen, die einen ähnlichen Klang haben wie die großen Meister der Architektur oder des Designs. Wer sich mit klassischen Segelyachten beschäftigt, begegnet ihnen immer wieder: Colin Archer in Norwegen, dessen Konstruktionen für ihre außergewöhnliche Seetüchtigkeit berühmt wurden. Johan Anker, der mit dem Drachen eine der elegantesten und erfolgreichsten Yachtklassen der Welt schuf. Nathanael Herreshoff in den USA, der luxuriöse und schnelle Rennjachten für die wohlhabendsten Segler seiner Zeit entwarf.
Und dann gab es noch Alfred E. Lüders.
Alfred E. Lüders Jr., von Freunden und Seglern meist „Bill“ genannt, war nicht nur ein erfolgreicher Yachtkonstrukteur, sondern auch ein leidenschaftlicher Regattasegler. Von seiner Werft in Stamford Harbor aus entstanden zahlreiche Entwürfe, die den amerikanischen Segelsport über Jahrzehnte prägten.
Besonders bekannt wurden seine One-Design-Klassen „Lüders 16“ und „Lüders 24“. Rund 220 Boote wurden nach einer damals modernen Bauweise gefertigt. Sperrholzformen, neue Klebstoffe und kunststoffverstärkte Holzkonstruktionen ermöglichten leichte und zugleich stabile Rümpfe. Es war die Übergangszeit zwischen dem traditionellen Holzbootbau und den späteren GFK-Yachten. Die Qualität dieser Konstruktionen zeigt sich bis heute: Viele dieser Boote sind noch immer auf Regattabahnen anzutreffen und werden von Liebhabern hoch geschätzt.
Weltruhm erlangte Lüders jedoch vor allem durch seine Entwürfe für die legendäre 12-Meter-Klasse. Diese Yachten wurden für die prestigeträchtigsten Wettfahrten ihrer Zeit gebaut – den Kampf um den America's Cup.
Zu seinen bekanntesten Projekten gehörte die „Weatherly“. Nach ihrer Überarbeitung durch Lüders gewann sie 1962 den America's Cup gegen die australische Herausforderin „Gretel“. Die Wettfahrten wurden von einem Millionenpublikum verfolgt, und selbst der amerikanische Präsident John F. Kennedy zeigte großes Interesse an diesem sportlichen Ereignis.
Die Geschichte der „Gretel“ ist bis heute nicht zu Ende geschrieben. Das einst berühmte australische Schiff befindet sich heute in Flensburg auf dem Gelände der Robbe & Berking Werft. Dort wartet es auf eine umfassende Restaurierung und auf jemanden, der bereit ist, Zeit, Leidenschaft und erhebliche finanzielle Mittel in seine Rettung zu investieren. Allein über die Restaurierung solcher historischen America's-Cup-Yachten ließen sich ganze Bücher schreiben.
Eine weitere Berühmtheit aus Lüders' Zeichenbrett war die „American Eagle“. Sie gehörte zu den letzten großen internationalen Regattayachten, die noch vollständig aus Holz gebaut wurden. Obwohl Lüders ihr Konstrukteur und Erbauer war, wird erzählt, dass er nie an Bord übernachtete. Nach einem Segeltag zog er stets das eigene Bett zu Hause vor.
Für die Olympischen Spiele entstanden zudem amerikanische 5,5-Meter-Yachten nach seinen Entwürfen. Da der Transport der Boote nach Europa zu teuer gewesen wäre, wurden sie zwar in den USA konstruiert, aber auf der renommierten schwedischen Werft von Oskar Schelin gebaut.
Hier schließt sich für mich ein ganz persönlicher Kreis.
Denn genau auf dieser Werft wurde im Jahr 1945 meine Mälar 25 gebaut. Sie trägt die Baunummer 45 und entstand aus sorgfältig ausgewähltem Honduras-Mahagoni. Jedes Mal, wenn ich an Bord bin, denke ich daran, dass dieselben Bootsbauer und dieselbe handwerkliche Tradition auch die Yachten schufen, die mit den großen Namen des internationalen Segelsports verbunden sind.
Oskar Schelin war vor allem für seine Schärenkreuzer bekannt. Diese faszinierenden Boote entstanden nach einer Vermessungsformel, bei der die Segelfläche begrenzt war. Die Konstrukteure reagierten darauf mit immer längeren und schlankeren Rümpfen. Nach dem Motto „Länge läuft“ wurden die Schiffe schneller und eleganter. Gleichzeitig versuchte man, jedes unnötige Kilogramm einzusparen. Die Folge waren Konstruktionen von atemberaubender Schönheit – aber manchmal auch von erstaunlicher Zerbrechlichkeit. Manche Schärenkreuzer wurden so extrem gebaut, dass ihre Rümpfe den Belastungen harter Regatten kaum standhalten konnten. Es kam vor, dass Boote während eines Rennens beschädigt wurden oder sogar auseinanderbrachen. Das führte zu hitzigen Diskussionen in den Klassen-vereinigungen, zu endlosen Ausschusssitzungen und zu manchem Streit unter Konstrukteuren und Eignern.
Gerade diese Geschichten machen die Welt der klassischen Yachten so faszinierend. Hinter jedem Schiff stehen Menschen, Ideen, technische Entwicklungen und oft auch große Leidenschaften. Die Geschichte von Alfred E. Lüders, Oskar Schelin und meiner Mälar 25 ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie eng die Wege berühmter Konstrukteure und einfacher Bootsliebhaber miteinander verbunden sein können.







